Tradition seit über 350 Jahren…Die St.-Agatha-Kapelle in Oberfleckenberg

Wohl schon im Jahre 1665 begannen die Oberfleckenberger Bewohner:

  • Albert und Rötger Wilms (heute Richart-Willmes)
  • Johan und Jost Plentzer (heute Rörig-Plenz)
  • Everd Gabbel (heute Börger)
  • Godschalk Berckenhewer (heute Kleine-Birkenheuer)
  • Jost ahn dem Boele (Hanses) (heute Heimes; vormals Wiese-Hanses)
  • Heinrich Kohle (heute Schulte-Sprenger; vormals Kohle)
  • Caspar Sprenger (heute Schulte-Sprenger)

mit dem Bau dieses Gotteshauses, das am 10.10.1666 von Johann Worth (Abt des Klosters Grafschaft) feierlich konsekriert wurde. Der Abt hatte hierzu  den Auftrag des damaligen Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich erhalten.

Die entsprechende Urkunde wurde am 5.9.1666 im Jagdschloss Hirschberg ausgestellt.

Die sieben oben genannten Oberfleckenberger Bauern bekennen in ihrer am 6.10.1666 ausgestellten Stiftungsurkunde:

Wir haben diese Kapelle zur Beförderung der göttlichen Ehre und für das Seelenheil unserer Nachkommen erbaut. Mit Gottes Hilfe und Beistand vor einem Jahr begonnen und nunmehr vollendet, soll die Kapelle zur Ehre des Allerhöchsten und Allerheiligsten, besonders aber zur Ehre der heiligen Jungfrau und Märtyrerin St. Agatha geweiht und konsekriert werden. Wir verpflichten uns, die Kapelle in einem guten Zustand zu unterhalten und alles, was zu deren Unterhaltung und zur Abhaltung der Gottesdienste gehört und notwendig ist, bei Verpfändung von Hab und Gut zur Verfügung zu stellen. Wir wollen zudem eine Glocke für das Gotteshaus beschaffen und den Pastor mit Speis und Trank versorgen.

Der Kapellendienst, der im jährlichen Wechsel von den sieben sogenannten Einsassen versehen wurde, wobei am 21.12. (Fest des hl. Thomas) ein jeweils neues Dienstjahr begann, und zu dem auch jeweils die Beköstigung des Pastors gehörte, wurde folgendermaßen ausdifferenziert:

Der Diensthabende musss jeweils morgens, mittags und abends das „Ave Maria“ läuten. Dabei sollen in einem Todesfall je drei „Vater unser“ und ein „Ave Maria“ gebetet werden. Er hat den Schlüssel der Kirchenkasse aufzubewahren und die kirchlichen Gewänder in Ordnung zu halten, ebenso die Kirche und den Altar zu reinigen und das Licht anzuzünden, die Kollekte auf St. Agatha einzusammeln und darüber Buch zu führen. Sollte im Dorf das Sakrament der Krankensalbung gespendet werden, so haben sich auf Glockenzeichen hin alle Dorfbewohner zum gemeinsamen Gebet zur Behausung des Kranken sowie nach dessen Hinscheiden zum Begräbnis zu begeben. Der Diensthabende hat ebenfalls alljährlich die kirchlichen Gefälle einzutreiben und abzuliefern. Er muss das Kapellenbuch am Stiftungs- oder Kirchweihtag nach dem Gottesdienst dem Pastor und den anderen sechs Einsassen zur Kassenprüfung vorlegen.

Das Äußere der Kapelle

Der kleine Bruchsteinsaal mit polygonalen -innen im 3/6- und außen im 4/8-Schluss errichtetem – Chor steht auf einem gewachsenen Fels in der damaligen Ortsmitte von Oberfleckenberg. Die in Weiß gehaltenen Umfassungsmauern der Kapelle sind mit rundbogigen Fenstern versehen worden, rundbogig ist auch die Tür, an der ein Türblatt mit dem Auge Gottes angebracht wurde. Ihr unterer Teil ist jalousieartig verkleidet. Das Kirchlein diente in früheren Jahren auch als Zufluchtsort der Bevölkerung. In Notzeiten konnte die Tür von innen verriegelt werden. Die etwa 10 x 10 cm großen Öffnungen für den einzulegenden Querbalken sind zu beiden Seiten des Eingangs noch vorhanden. In dem kleinen aufgesetzten Turm hängt eine Glocke, die auch heute noch mit Hilfe eines Seilzugs betätigt wird. Der Giebel und das Dach der Kapelle sind verschiefert. Die letzten Eindeckungen mit diesem natürlichen Material erfolgten in den Jahren 1834, 1926 und 1984. Der auf dem Türmchen thronende Wetterhahn wurde 1926 erneuert, er trägt die Jahreszahl 1666. Sein Vorgänger soll von Fleckenberger Jugendlichen bei Schießübungen zerstört worden sein. Der alte Außenputz aus den Jahren 1913 und 1928 wurde 1995 in Eigenleistung entfernt. Anfang 1996 wurde dann ein neuer Außenputz aufgebracht.

Das Innere der Kapelle

Das Kapelleninnere besteht aus einem einjochigen Kreuzgratgewölbe und einem ebenso gewölbten Chor, beides ruht auf Wandpfeilern. Eine grundlegende Renovierung im Jahr 1960 versetzte die Kapelle wieder in ihren früheren Zustand. Dabei fand man über der Tür die Inschrift „Renovatum 1703“. Alte Ornamente, etwa an Fenstern, der Türe und am Triumphbogen, wurden freigelegt, darunter die 12 Apostelkreuze, die aus der Zeit der Konsekrierung stammen sollen. Der Fußboden ist über die ganze Fläche mit Schieferplatten belegt. Der in roter, schwarzer und goldener Farbgebung gehaltene Barockaltar wurde im Jahr 1684  errichtet. Dies bestätigt folgende mittig am Altar angebrachte Inschrift

Anno 1684 Die 14 Augusti Erectum Est Hoc Altare in Honorem Dei Omnipotentis et Sanctae Agathae Virginis et Martyris et Sanctae Gertrudis Virginis et Abatissae ab incolis huius pagi“.

(Im Jahr 1684, am 14. August, wurde dieser Altar von den Bewohnern dieses Dorfes zur Ehre des allmächtigen Gottes und der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Agatha und der heiligen Jungfrau und Äbtissin Gertrud errichtet)

Das Gestühl der Kapelle entstammt der Bauzeit und ist noch komplett vorhanden. Die einzelnen Bänke sind jeweils mit floralen Motiven versehen. Rechts stehen die Bänke derjenigen Oberfleckenberger Einsassen, die die Kirche erbaut haben. Dies ist daran zu erkenne, dass in sechs von ihnen im unteren Teil der Wangen deren Monogramme eingelassen sind. Die siebte und letzte ist ohne Namenszeichen, sie dürfte jedoch der Familie Sprenger gehört haben.

Das Alter des Kirchengestühls war über eine lange Zeit in der heimatgeschichtlichen Forschung umstritten. In einer dendrochronologischen Untersuchung, die am 1.9.1994 von der Oberen Denkmalbehörde  durchgeführt wurde, konnte ermittelt werden, dass das Holz für die Dachkonstruktion der Kapelle im Jahr 1664 und das Holz des Gestühls im Jahr 1668 gefällt wurde.

Heute

Mit Gründung einer eigenen Pfarrei Fleckenberg im Jahr 1900 ging das Eigentum der Kapelle (zu der ein Baufonds gehörte) in den Besitz der Kirchengemeinde über.

Jedoch kümmern sich nach wie vor die Nachfahren der Gründer sowie weitere Nachbarn der Kapelle um die Pflege des kleinen Gotteshauses.

Jährlich findet am Fest der Hl. Agatha (5.2.) oder dem darauffolgenden Wochenende ein Festgottesdienst in der Kapelle statt. Im Anschluss daran wird der Pastor (zusätzlich der Küster und Organist) von einem der sieben Gründerfamilien zum Frühstück eingeladen. In den vergangenen Jahrzehnten war das Fest der Hl. Agatha zusätzlich ein „hoher Feiertag“ in den meisten der Oberfleckenberger Familien. In der Regel wurde mit der Verwandtschaft ein Fest gefeiert. Die Arbeit ruhte an diesem Tag.

Der diesjährige Gottesdienst findet am Samstag, 10.02.2024 um 9.00 Uhr mit Pfarrer Günter Eickelmann in der Kapelle statt. Anschließend richtet Familie Börger das Frühstück aus.

Quelle:

Unser Dorf Fleckenberg. 1996

  • Artikel: Die Kapelle St. Agatha und Gertrud in Oberfleckenberg“ von Bruno Ermecke/Günter Schulte. Seiten 220-225.